2 - Löwenherztour 2018, News
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Fazit Löwenherztour

Darf man heute noch „BEHINDERT“ sagen?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Gesellschaft das Problem im Umgang von Menschen mit und ohne Behinderung versucht damit zu lösen, indem wir den Betroffenen eine andere Bezeichnung, „gehandicapt“ (denglisch),oder „anders normal“ geben, ohne jedoch das Problem zu lösen.
Wir brauchen Definitionen von Unterschieden, groß / klein, reich / arm, intelligent / dumm und wohl auch normal / behindert. Es macht es uns einfacher einzuteilen.
Oft jedoch in Schubladen.
Wir schmeißen unseren Müll in die Wälder, ernähren uns falsch, erklären ein Fußballspiel zum Kleinkrieg, zerstören unsere Umwelt, mobben in sozialen Medien,
alles wohl wissentlich des Fehlverhaltens.
Wir aber erklären auch, die ANDEREN, die das evtl. nicht machen, die mich nachts um drei auf dem Rad nach meinem Befinden fragen, die sich bedanken für die Organisation der Löwenherztour, die nicht berechnend agieren und die nicht ständig nach likes gieren als BEHINDERT. Und dabei sind sie es, die BEHINDERTEN, die uns den Spiegel vorhalten.
Zeigen wie weit wir uns oft schon vom „menschlichen“ entfernt haben.
Genau das hat mir unter anderem die Löwenherztour immer wieder vor Augen geführt.
Wir, nach einigen Wirren doch noch ein Team, aus
9 Radfahrern, 6 Begleitern, 3 Fahrzeugen
machten uns, verabschiedet von Freunden und Familie vor dem Rathaus in BS auf.
2741km in 7 Tagen, davon 4 Nächte im Sattel (3 Nächte im Bett). Aufgeteilt in 2 Sub-Teams, mit je 2 geistig BEHINDERTEN. So teilten wir uns die Strecke in je 100km pro Sub-Team auf. Die Etappen waren ca. 36 Stunden lang, in denen jeder zwischen 300 bis 400km in 4 Splits fuhr. Besonders die 100km Nachteinsätze schlauchten enorm, erfordern Konzentration, Durchhaltewillen und erzeugen riesige Vorfreude auf normales Essen, keine Riegel oder Gels. Und Ruhe. Natürlich ohne Dusche zwischendurch. Feuchttücher mussten reichen. Die hygienischen Verhältnisse waren zum Teil wirklich mau. Ungewaschen teile man sich Decken und Kopfkissen mit wem auch immer. Die persönlichen Bedürfnisse reduzieren sich dabei enorm. Wurden vom ich zum wir. Geruht oder bei Glück geschlafen, wurde in fahrenden Autos, umgeben von getragenen, durchschwitzter Radbekleidung, Lebensmitteln und Ersatzteilen. Klingt rau. Ist es auch.
Aber genau aus dieser ungewohnt harten Belastung heraus, FÜR ALLE auf Rad und Auto, mit dem besten, funktionierendes Team welches ich je hatte, dem Einsatzwillen und der Leidensfähigkeit eigene Grenzen vor sich her
schiebend, machte erst die Löwenherztour für jeden so emotional.
INKLUSION auf die harte Art, ohne Vorbehalte, gelebt, auf der Straße.
Ich habe wieder einmal viel gelernt. Viele Straßenmeistereien verdienen diesen Namen nicht. Matze sagte dann immer „Sind die deppert, aber machen kannst‘e e nix“.
Also nimm Dinge hin, reg dich nicht auf über Dinge, die du nicht ändern kannst, genieß den Moment absolut, mache was du kannst und dir gut tut. Ich hoffe, dieses Wissen und Handeln hält bei mir an. Und, BEHINDERTE können wirklich so viel. Natürlich auch uns etwas lehren.

Auf unserer Tour war VIELFALT nicht nur NORMALITÄT, sie wurde auch mit den Stärken ALLER gebraucht. Teamwork pur. Einschränkungen wurden so kompensiert und wurden zur Stärke. Perfekte Gänsehautemotionen.
Und bei allem ging es um die Unterstützung von Heimbewohnern im Altenheim „ Theresienhof“ der ev. Stiftung Neuerkerode in Goslar. Diese hatten durch die Jahrhundertflut ihr persönliches Hab und Gut verloren. Ja, BEHINDERTE können auch das. Einfach helfen.
Unterwegs bekamen wir Anerkennung bei div. Empfängen, konnten viele nette Leute kennenlernen und immer wieder mit unserem Einsatz begeistern. Auch Spenden sammeln
und den Kunstradkalender verkaufen. Ein weiteres Teilprojekt der Inklusion. Künstler mit und ohne Behinderung gestalteten Bilder zum Thema „Fahrrad“. Was sonst! Der Kalender soll auch 2019 die Tour in Erinnerung bringen, den Erfolg symbolisieren und zeigen, Inklusion und ein zusammen ist nur langfristig zu meistern und kann somit zur Bereicherung aller beitragen. Auch die Presse berichtete in ganz Deutschland von diesem einzigartigen Projekt und halfen uns somit die Idee zu vermitteln, zu begeistern.
Besser als die Frage von Kevin´s Vater:
„Was habt ihr mit meinem Sohn Kevin gemacht Er ist ein anderer Mensch!!!!!“, kann man nicht beschreiben, wie tief bei jedem einzelnen die Gefühle der Woche sitzen und Spuren hinterlassen.
Ich bedanke mich bei Allen für die Unterstützung, Helfern, Sponsoren, Daumendrückern, dem besten Team und meiner Frau, die mich auch in ganz schwierigen Phasen unterstützt hat. Es gab auch Phasen da stand das Projekt wirklich auf der Kippe. Jetzt ist alles Gut. Es sind alle Mitglieder heil und gesund wieder angekommen, der Erfolg und die Emotionen lassen einiges vergessen.
Nun mal sehen was als nächstes kommt. 😉

Torsten Bierwisch

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