Was ist Extremsport – Definition nach Friends for Life

Was ist Extremsport? Dafür gibt es keine lexikalische Definition. Es gibt aber eine verschwommene Vorstellung, was sich dahinter verbergen könnte. Wer sich Extremsportler nennt, sollte in jedem Fall so redlich sein zu definieren, was er darunter versteht. An dieser Definition kann man ihn dann messen.

Lassen Sie mich also den Begriff Extremsport erläutern, so wie die "Friends For Life" ihn verstehen: Das geht ganz gut durch Abgrenzung gegenüber einem anderen prominenten Begriff, den Leistungssport.
Der Leistungssport wird nicht mit anderen, sondern gegen andere betrieben. Der Sieg über den Anderen ist entscheidend, sei es nach Sekunden oder nach Punkten. Im Extremsport geht es vor allem darum, sich selbst zu besiegen. Wettbewerbe gibt es im Extremsport gleichwohl, der Wettbewerbsgedanke ist dem Extremsport aber nicht immanent, spielt für unsere Definitionsbemühungen also keine Rolle.

Leistungssport findet meist unter klar definierten Bedingungen statt. Bei zu viel Rückenwind gelten Leistungen und Rekorde nicht, bei allzu schlechtem Wetter oder anderen stark behindernden Widrigkeiten werden Wettbewerbe abgesagt. Extremsport bezieht seinen Reiz gerade daraus, dass er bei jedem Wetter und gegen jede Widrigkeit ausgeübt wird. Ein einengendes Regelwerk existiert nicht, das ermöglicht es, die Phantasie ins Spiel zu bringen. Fair Play und der gesunde Menschenverstand bilden den einzigen Rahmen, innerhalb dessen sich Extremsport in all seinen – fast möchte ich sagen unendlichen – Facetten vollzieht. Das Wörtchen "extrem" bezieht nach unserer Vorstellung die sportliche Aufgabenstellung und die Bedingungen, unter denen der Sport ausgeübt wird, ausdrücklich mit ein. In Südafrika zum Beispiel haben einige von uns während einer 15-tägigen sportlichen Aktion pro Nacht nur etwa vier bis fünf Stunden geschlafen. Das würde kein Leistungssportler mit sich machen lassen, denn seine absolute Leistungsfähigkeit wäre rasch in Gefahr. Der Extremsportler kann auf ein absolutes Leistungspotential im Sinne der Rekordfähigkeit verzichten, weil er darauf hin trainiert, auch unter miserabelsten Bedingungen, die jeweils bestmögliche Leistung abzuliefern. Es geht ihm also um eine andere Form absoluter Leistungsfähigkeit.

Klar ist damit auch: Wer glaubt, Extremsportler seien Hyper-Leistungssportler, liegt komplett verkehrt. Es gibt viele Extremsportler, die könnten nie in ihrem Leben einen 10-Kilometer-Volkslauf gewinnen, geschweige denn eine regionale oder nationale Meisterschaft. Ein Beispiel: In Südafrika hatte ich am sechsten Tag zu Beginn der Marathon-Laufstrecke erhebliche Magenprobleme. Ein Leistungssportler wäre mit solchen Schmerzen gar nicht an den Start gegangen, weil es ihm nicht im entferntesten möglich gewesen wäre, sein grundsätzliches Ziel zu erreichen: ein bestinmmtes Gewicht zu stemmen oder eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit zurückzulegen. Ich will damit keineswegs sagen, dass Leistungssportler sich nicht überwinden können oder müssen. Selbstredend müssen sie dazu in der Lage sein, wenn sie die ganz großen Erfolge anstreben. Klar ist aber auch, dass körperliche Unversehrtheit eine Grundbedingung ihrer Art von Sportausübung ist. Der Extremsportler übt seinen Sport nicht nur bei jedem Wetter, sondern auch in nahezu jedem körperlichen Zustand aus, solange seine Gesundheit nicht fundamental in Gefahr ist. Mit einem Beinahe-Herzinfarkt würde nur ein sehr dummer Extremsportler weitermachen. Von blutenden oder geschwollenen Füßen, von schmerzhaften Muskel- oder Sehnenverletzungen lässt er sich allerdings nicht so leicht aus der Bahn werfen.

Nun gibt es solche und solche Extremsportler. Extremsport wird, wie eingangs geschildert, im Grunde nicht gegen andere ausgeübt. Das bedeutet noch lange nicht, dass er mit oder gar für andere ausgeübt wird. Und hier kommt der spezifische Ansatz der "Friends For Life" oder vergleichbarer Teams ins Spiel. Zu welchem Zweck wird der Sport ausgeübt, das ist die entscheidende Frage. Extremsport ist zunächst einmal Selbstzweck. Er ist moralisch-ethisch nicht besser oder schlechter als andere Formen des Sports, so lange er vornehmlich zur Unterhaltung anderer oder – in der Praxis weit häufiger – zur Befriedigung persönlichen Ergeizes und zum Ausloten der eigenen Grenzen praktiziert wird. Interessant wird Extremsport für mich in dem Moment, in dem er sich von der Nabelschau löst. Zwar muss sich ein Extremsportler sehr stark mit sich selbst befassen, er muss sehr genau in sich hineinhorchen, um seine individuell gesteckten Ziele erreichen zu können.

Doch die wahren Möglichkeiten des Extremsports nutzt nur, wer über den Rand der eigenen Person hinausschaut, den Zweck seines Sports ausdehnt. Sich selbst zu besiegen, um damit für andere ein Zeichen zu setzen und für andere etwas zu erreichen, das verleiht dem Extremsport einen höheren Sinn. Und er eignet sich sehr gut für solche "guten" Zwecke. Da er nicht auf dem Wettbewebsgedanken fußt, eignet er sich zum Beispiel bestens für sportliche Gemeinschaftserlebnisse, deren Anforderungen gleichwohl höchst anspruchsvoll sein können. Da er keinem festen Regelwerk unterliegt, lässt er breiten Raum für einmalige und phantasievolle Aufgabenstellungen. Das wiederum verbessert die Chancen, Dritte zu erreichen, emotional anzusprechen.

Ganz wichtig: Extremsport produziert so gut wie keine Verlierer. Der Respekt vor der Leistung bleibt bestehen, auch im Falle des Versagens. Extremsportler taugen potentiell zum Vorbild, da ihre Form der sportlichen Daseinsäußerung nicht darauf abzielt, andere zu überholen, zu schlagen oder auszutricksen.

Text: Dr. Michael Strohmann
google ffl-extremsport.de


Alle Inhalte www.ffl-extremsport.de
© 2011 | Konzept und
Gestaltung:

Image & Design
| Impressum
Sponsoren und Partner: