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Die Tour

>> s. auch braunschweig.cjd.de

einen neuen Ansatz in ihrer dialogorientierten Arbeit haben die Friends For Life erfolgreich umgesetzt: Als hochbegabt eingestufte Schüler, aber auch Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen bis hin zu Schulverweigerern, wurden bei der "Finde-Deinen-Weg-Tour" zu einem Team vereint. Gemeinsam schafften es die Jungen und Mädchen, 280 Kilometer von Braunschweig bis Berlin auf Sporttretrollern zurückzulegen. Dabei mussten sie sich unter Anleitung von Experten der Friends For Life nicht nur sportlich bewähren. Auch die sozialen Fähigkeiten wurden geschult, zum Beispiel beim Zubereiten von Mahlzeiten oder bei der Gestaltung der Nachtquartiere. Dabei galten für alle die gleichen Rechte und Pflichten. Zu guter Letzt wurde die Orientierungsfähigkeit der 9 jungen Teilnehmer gefördert, galt es doch immer wieder, Entscheidungen bezüglich der Wegwahl zu treffen.



Als Projektpartner bewiesen die Awo Braunschweig und das Christliche Jugenddorf (CJD) Braunschweig den Mut, mit dieser Konstellation von Jugendlichen Neuland zu betreten. Sie unterstützten das Projekt personell und materiell auf nachhaltige Weise.

Nach einem zweimonatigen Vorbereitungstraining zeigten die Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren recht schnell, dass sie in der Lage sind, an Aufgaben zu wachsen. Anfängliche Klagen über den spärlichen Komfort bei solch einem Ausdauer-Sportevent schlugen um in Stolz und Zufriedenheit. "Am Ende wollte wirklich jeder dabei sein beim Zieleinlauf in Berlin", berichtet FFL-Betreuer Torsten Bierwisch.

Moralische Unterstützung gab es unterwegs bei einer spontanen Begegnung mit der deutschen Radsport-Legende Gustav "Täve" Schur in der Nähe von Magdeburg. Der 77-Jährige, zweifacher Straßenrad-Weltmeister der Amateure sowie Silber- und Bronzemedaillen-Gewinner bei Olympischen Spielen,  schüttelte allen Teilnehmern persönlich die Hand und gratulierte den Jugendlichen wie auch den Begleitern zu diesem Projekt. Der sportlichen Leistung zollte er Respekt.



Die Wirkungsweise der "Finde-Deinen-Weg-Tour" verdeutlicht FFL-Vorsitzender Dr. Michael Strohmann an einem Beispiel: "Als wir einige Kilometer auf tiefem märkischen Sand zurücklegen mussten, beschwerten sich einige unserer Jugendlichen. Eine ideale Situation, um ihnen die Botschaft dieser Tour vor Augen zu führen. Die Wegbeschaffenheit kannst du nicht beeinflussen, deine Reaktion darauf sehr wohl." Sich Fähigkeiten anzueignen, um die Hindernisse des Lebens zu meistern, darauf komme es an. "Dabei sieht das richtige Rezept von Individuum zu Individuum anders aus", legte Strohmann den jungen Leute dar. "Entscheidend ist, die jeweils angemessene Antwort zu finden, also die Antwort, die sowohl zu den objektiven Rahmenbedingungen wie auch zu den persönlichen Möglichkeiten passt. Es gibt in der Regel eine Menge Lösungsansätze, bevor man den Kopf vor Frust oder Verzweiflung in den Sand stecken muss."

Die Sorgen, Nöte und Irritationen, mit denen junge Menschen in einer hoch kommerzialisierten Welt aufwachsen, waren denn auch der Ausgangspunkt für das Projekt "Finde-Deinen-Weg-Tour". Schon in der Schulzeit werden viele Jugendliche von Zukunftsängsten geplagt. Bekomme ich einen Ausbildungsplatz, werde ich jemals einen einträglichen Job erhalten? Lässt sich Zukunft überhaupt noch planen und gestalten? "Dass die Flucht in Drogen, exzessiven Unterhaltungskonsum oder virtuelle Welten die falsche Antwort ist, dafür wollten wir die jungen Teilnehmer sensibilisieren", erzählt Peter Bartel aus Berlin, erfahrener Pädagoge bei den Friends For Life.

Die heterogene Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes habe gut dazu beigetragen, eine weitere Botschaft zu transportieren: Wer anderen hilft oder sich von anderen helfen lässt, kommt besser klar im Leben. "Wir haben die jungen Leute als fast schon mustergültiges Team erlebt und sind stolz darauf", sagt Bartel.

Unterstützt von einem Service-Team mit Nicol Rasch und Wiebke Görgen (Jugend- und Erziehungshilfen der Awo Braunschweig), Kerstin Wegbünder (Internat des CJD Braunschweig) sowie Mario Pfitzner (Landessportbund Niedersachsen), erreichte der Tross der Tretrollerfahrer  nach dreieinhalb Tagen Berlin-Hermsdorf. An der dortigen Carl-Bosch-Hauptschule wurden im Beisein von Politik und Medien zwei der Sporttretroller, sozusagen als Staffelstab, übergeben. Es kam zu einem Gedankenaustausch zwischen den Jugendlichen, die sich ihre Lebenswelten gegenseitig schilderten. "Vielleicht kommt es im nächsten Jahr zu einem Gegenbesuch von Berliner Jugendlichen in Braunschweig, natürlich auf Tretrollern", hoffen Strohmann und Bartel.

Bei einem Abschlussgespräch zeigten sich sowohl das Betreuerteam als auch die 9 teilnehmenden Jugendlichen begeistert von der "Finde-Deinen-Weg-Tour 2008". Mehrfach war zu hören, dass man vor dem Start durchaus skeptisch gewesen sei, sowohl bezüglich der sportlichen Herausforderung wie auch bezüglich der sozialen Konstellation. "Nach dieser Erfahrung aber wäre ich jedes Mal wieder dabei", sagte abschließend Mario Pfitzner vom Landessportbund Niedersachsen und dort engagiert in Sachen Integration durch Sport.


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