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Mail vom 12.04.2006 aus Südafrika:
Noch 1 Tag bis zur Tour (1. April)
Nach unserer Fahrt von Kapstadt in den Norden Südafrikas erreichen wir nach ca. 600 Kilometern Springbok, nahe unserem Startpunkt, dem Wilde-Pferde-Hoek-Pass, unweit der Grenze zu Namibia. Wir haben einen Termin in der Methodisten-Kirche von Springbok. Hier wird uns zu Ehren ein Gottesdienst abgehalten. Alle Läufer erhalten die Segnung des Referents (Pastor) und die Gemeinde bittet den Herrn um Kraft und den Erfolg für unsere Mission. Ein besoners ergreifendes Erlebnis, dass noch gesteigert wird, als uns ein kleines, 9jähriges Mädchen mit leiser zerbrechlicher Stimme ein Lied singt. Wir erfahren, dass sie mit HIV infiziert ist und an ihrer Krankheit bereits stark leidet. Tränen der Rührung werden vergossen, ein unbeschreiblicher Moment der Traurigkeit und der Hilflosigkeit erfasst uns. Von diesem Erlebnis werden wir lange zehren. Eine einfache, aber liebevoll zubereitete Mahlzeit können wir direkt in der Kirche einnehmen. Die Gastfreundschaft ist überschwänglich.
Danach findet die erste gemeinsame Teambesprechung und das erste Kennenlernen der Läufer und der Betreuer in unserer Unterbringung, einem verfallenen Feriencamp statt. Nette, ruhige Jungs sowie eine Läuferin namens Elise. Wir stellen uns gegenseitig vor und besprechen die Tour in allen Details. Die Spannung ist greifbar, alle Läufer sind hoch konzentriert. Das Lauftrikot mit dem Logo Abahlobo wird an die Läufer verteilt. Wir erfahren, dass Abahlobo (Sprache der Xhosa: Freunde) Abasschlobo ausgesprochen wird. Jeder widmet sich anschließend der Vorbereitung für den großen Tag: Zusammenstellung der Laufutensilien, letzte Überprüfung der Schuhe, welche Laufhose scheuert nicht, welches Hemd liefert genug Sonnenschutz, wo ist die Sonnencreme, wo ist der Kopfschutz???... Als alles erledigt ist, gibt es ein gemeinsames Essen in einem örtlichen Restaurant. Danach gehen wir früh ins Bett, wir wissen, die nächsten Tage werden verdammt hart.
Die Tour beginnt!
1. Tag der Tour (2. April)
Heute beginnt ohne große Vorbereitungsphase die Tour. Wir verlassen um 7 Uhr unsere Unterkunft und fahren mit den Geländefahrzeugen zum Wilde-Pferde-Hoek-Pass, einem kargen Berg-Pass inmitten des Namaqua-Nationalparks. Große Spannung bei den insgesamt 11 Läufern, der Startschuss fällt um kurz vor 8 Uhr. Kurz darauf steigt auch die Tagestemperatur erbarmungslos an. Gegen Mittag zeigt das Aussenthermometer unseres Fahrzeugs 54 Grad in der Sonne. Wir kämpfen bereits jetzt mit diesen für uns unmenschlichen Temperaturen. Und das am ersten Tag. Was mag noch alles kommen? Unser Körper ist am Siedepunkt, auch die Südafrikaner haben Probleme mit diesen Temperaturen. Noch vor wenigen Tagen haben wir unser Training bei -5 Grad absolviert, ein Temperaturunterschied von fast 60 Grad! Die erste Etappe über gut 50 Kilometer wird gegen 15.30 Uhr beendet. Abgesehen von Kreislaufproblemen bei Micha Strohmann erreichen alle Läufer ohne größere Beschwerden das Etappenziel, den ehemaligen Fischerort Hondeklipbaai an der Atlantikküste. Wir sind völlig erschöpft aber unendlich glückllich. Der Anfang ist gemacht...
Ein Empfang im Gemeindehaus wird zum Aufmarsch des gesamten Ortes. Willkommensgrüße und Tanzvorführungen beeindrucken uns sehr und lassen unsere Erschöpfung vergessen. Die Herzlichkeit der Menschen ist überall präsent, die Kinder sind neugierig aber sehr freundlich. Tina Voges, unsere Fotografin und Filmerin zückt die Kamera und ist sofort von Kindermassen umringt. Die Menschen leben hier von der Arbeit in den naheliegenden Diamantminen. Die Armut ist überall sichtbar, das Elend greifbar.
Erschöpft fallen wir in die Betten, um 20 Uhr sind die Lichter aus.
2. Tag der Tour (3. April)
Nach den Erfahrungen des ersten Tages beginnen wir unsere Tour bereits um 5 Uhr, um der Sonne so lange wie möglich zu entgehen. In tiefster Dunkelheit starten wir unseren Lauf auf einer Grabble-Road, einer Schotterstrecke, die uns auch für die nächsten Tage erhalten bleibt. Eine besondere Belastung für die Läufer und für die Autos. Nach und nach fallen Schrauben ab. Wir erwischen erneut einen heissen Tag, aber die Hitze verdauen wir heute besser als am 1. Tag. Die Etappenlängen sind noch problematisch, die südafrikanischen Betreuer sprechen immer von "about 20 Kilometer". Nach weiteren 20 Kilometern kommen dann weitere 15 Kilometer, es zieht sich wie Kaugummi. Eine psychologische Belastung, ständig ohne konkrete Kilometerangabe die nächsten Hügel zu erklimmen. Sie wechseln sich mit Straßen ab, die am Reissbrett Richtung Horizont gezogen zu sein scheinen - es erinnert an Monument Valley in den USA. Etappenziel ist heute Wallekral, eine Geisterstadt inmitten der Wüstenlandschaft von Northern Cape. Erst am Ortausgang erfahren wir, dass das Wallekral war. Wir beschliessen, noch einige Kilometer anzuhängen und fahren dann in den Ort unseres eigentlich erst nächsten Etappenziels, Garies. Einige südafrikanische Läufer haben bereits jetzt Knieprobleme und steigen vorzeitig ins Begleitfahrzeug. Wir bleiben von Ausfällen verschont. Gott sei Dank, der zweite Tag ist geschafft. Psychologisch sehr wichtig, wir können diese Temperaturen meistern. Rund 7 Liter trinkt jeder Läufer an diesem Tag um der Dehydration vorzubeugen. Die Südafrikaner trinken erheblich weniger. Sie sind das gewohnt.
Am Abend geniessen wir einen lockeren Abend im örtlichen Guesthaus, in dem wir untergebracht sind. Wir spielen etwas Billard und gehen auch hier früh ins Bett. Der Körper ist ausgelaugt und verlangt nach Ruhe.
3. Tag der Tour (4. April)
Wieder beginnt die Tour sehr früh bereits um 5 Uhr, d. h. um 3.30 Uhr wird aufgestanden. Eine längere Etappe von knapp 60 Kilometern, die wir gut überstehen. Die südafrikanischen Läufer haben jedoch mit mehreren Problemen zu tun, die Markus Nöh, unser Physiotherapeut behandelt. Trotzdem werden es immer weniger Südafrikaner auf der Strecke. Unser Körper fängt an, sich an die langen Laufeinheiten zu gewöhnen. Am Tagesende erreichen wir erneut Garies.
Am Abend haben wir eine erste gemeinsame Teambesprechung auf der die aufgetretenen Probleme besprochen werden. Wir halten aber am Konzept, früh in den Morgenstunden in der Dunkelheit zu starten, fest.
4. Tag der Tour (5. April)
Jetzt wird es ganz verrückt. 3.30 Uhr aufstehen, der Start im Dunkeln um der Hitze des Tages zu entgehen, aber die Wüste hat doch noch mehr zu bieten. Regen und Temperaturen von Anfangs nur 4 Grad mit stürmischem Gegenwind... Bei diesem Wetter kann man eigentlich nicht laufen, meinen die Afrikaner. Für unsere südafrikanischen Freunde wie auch für uns wird es ein Tag der Leiden. Am Ende sind nur noch die vier Läufer der FFL übrig. Nach 55 Kilometern erreicht das Team reichlich abgekämpft, aber auch stolz und zufrieden das Etappenziel Garies. Duschen, viel Essen und wie immer ein herzlicher Empfang in der örtlichen Location lassen den gröbsten Schmerz vergessen. Um 20 Uhr liegen wir bereits im Bett, während das Begleitteam den nächsten Lauf vorbereitet.
5. Tag der Tour (6. April)
Start 5.30 Uhr, das Wetter ist heute gnädiger. Nur zwei der Afrikaner sind heute am Start, FFL ist komplett auf der Streck. Wir machen heute Tempo, nach 4 Stunden und 30 Minuten in bergigem Gelände sind 40 km absolviert. Gegen Mittag kracht die Sonne wieder unerbittlich auf uns nieder. Eine Tasche von Hilton, unserem südafrikanischen Läufer, ist vom Dach des Landrovers gefallen, er hat außer seine Laufsachen am Körper nichts mehr. Wir helfen mit Shirts, Hosen und Socken so gut es geht. Auch Markus und Christl vom Begleitteam gehen heute für einige Kilometer mit auf die Strecke. Bitterfontein ist das Ziel. Am frühen Nachmittag sind wir da. Dabei wurden mehr als 1000 Höhenmeter absolviert. Viele Berge, schöne Gegend. Leider hat man als Läufer nicht immer den Blick dafür. Heute erwischt es Torsten Bierwisch. Eine Oberschenkel-Reizung lässt ihn den Tag vorzeitig nach 45 Kilometern beenden. Die Schmerzen sind zu groß und er will die nächsten Tage nicht gefährden.
Ein herzlicher Empfang wartet auch hier auf die Läufer. Die Freundlichkeit der Menschen ist unglaublich. Besonders wenn man das Elend betrachtet, ist man als Europäer sehr ergriffen. Das Team genießt trotz der Strapazen den Empfang. Wir sind heute in einem „Gasthuis“ untergebracht. Schön, wenn das Zelt heute nicht aufgebaut werden muss.
6. Tag der Tour (7. April)
Wieder stehen wir um 3.30 Uhr auf, die Route führt heute über Koekenap nach Klawer. Torsten ist wieder dabei und wird für 42 Kilometer, die Marathondistanz, dabeisein. Wir laufen wieder auf einer „Gravel-Road“, einer Schotterstrecke, die alle 30 cm einen kleinen Höcker aufweist, so dass jeder Schritt nach einigen Stunden schmerzt. 40 Kilometer laufen wir direkt an einer Bahnschiene. Mittags eine Stunde Verschnaufpause. Das Verpflegungsteam hat Hähnchen und Salat organisiert. Der Körper lechzt nach Fett, wir sehen schon etwas kraftlos aus. Aber wir halten durch. Frank hat seine Magenprobleme vom Vortag gut verkraftet, Torsten seine Waden von Markus tapen lassen. Insgesamt sind die Strapazen in jeder Sehne und in jedem Muskel zu spüren. Nach 55 Kilometern ist heute Feierabend. Wir besuchen ein Township in Klawer und anschließend noch einen Empfang. Danach Rückfahrt nach Koekenap.
7. Tag der Tour (8. April)
Wieder ein ganz heißer Tag mit vielen Bergen. Die Muskeln schmerzen immer mehr, aber keiner steigt aus, alle FFL-Läufer bleiben auf der Strecke. Eine schöne Route entlang eines Sees und wieder auf in die Berge. Die Sonnenstrahlung ist enorm, aber dank unseres Sonnenblockers mit der Stärke 50 bleiben wir von Verbrennungen verschont. Das Etappenziel Clanwillliam ist nach mehr als 50 Kilometern erreicht. Übernachtung unter freiem Sternenhimmel im Zelt. Der emotionale Höhepunkt wird der Besuch eines Townships, der alles bisher gesehene noch in den Schatten stellt. Wenn Wellblechbaracken bislang so ziemlich das Schlimmste waren, müssen wir erleben, dass Pappkartons und Plastikverkleidungen einer kompletten Familie eine Unterkunft bieten. Wir sind heute sehr schweigsam, das Erlebte hat uns alle sehr betroffen gemacht. Wir erfahren, dass hier eine Familie mit 6 Kindern mit 150 Rand in der Woche, das sind ca. 25 Euro, auskommen muss, wovon wahrscheinlich schon gut die Hälfte für Alkohol draufgeht. Die Aids-Rate liegt auch hier bei über 80 %. Wir haben Gelegenheit, mit dem Direktor der Schule im Township zu sprechen und versprechen, uns um eine Schulpartnerschaft mit einer Braunschweiger Schule zu bemühen. Er ist unglaublich dankbar dafür. Wir spüren die große Hoffnung, die diese Menschen in uns setzen. Wir dürfen sie nicht enttäuschen!
Morgen ist der letzte und härteste Tag, es warten auf uns 70 Kilometer und ein reiner Berglauf mit vier Pässen nach Wupperthal, dem Ziel unserer Tour.
8. und letzter Tag der Tour (9. April)
Von Clanwilliam geht es heute direkt in die Berge. Schwerstarbeit für die Läufer und die Fahrzeuge. Die Sonne lacht, es sind wieder gut und gerne 40 Grad. Die staubige und steinige Piste reisst einem der Fahrzeuge den Auspuff weg. Ca. 2000 Höhenmeter fordern den Läufer alles ab, auch die Südafrikaner sind heute noch einmal mit Engagement dabei. Wir laufen heute in Staffelformation, d.h. ein deutscher Läufer läuft jeweils mit einem südafrikanischen Läufer. Die Landschaft erinnert an den Südwesten der USA. Unglaubliche Felsformationen liefern ein phantastisches Panorama. Am Nachmittag laufen wir ins Tal von Wupperthal, das wie eine Oase anmutet. Kleine weiße Häuser und viel Grünflächen inmitten der Einöde. Der Empfang ist riesig, eine ganze Schule steht am Ortseingang und hält uns Transparente mit netten Begrüßungen entgegen. Alle Läufer fallen sich in die Arme, jeder ist überglücklich. Der Schmerz der letzten Kilometer ist vergessen. Ein kurzer Empfang und eine schöne Tanzdarbietung folgen, Tränen der Rührung fließen auch hier. Das Begrüßungskomitee kümmert sich liebevoll um uns, es gibt reichlich zu essen und zu trinken. Die letzte gemeinsame Nacht werden wir alle so schnell nicht vergessen. Aus zwei Teams ist wirklich eins geworden.
Die eigentliche Tour ist hier nun vorbei. Für die nächsten Tage stehen nun Termine von besonderer Bedeutung auf unserem Plan
1. Tag nach der Tour (10. April)
Abreise aus Wupperthal. Hier findet auch die Verabschiedung der Sportler und Betreuer voneinander statt. Dann geht es mit den Autos nach St. Helena Bay, einer armen Fischerstadt an der Atlantikküste unserem eigentlichen Ziel dieser Tour, ca. 250 Kilometer von Wupperthal entfernt. Nachmittags treffen wir ein, der Empfang ist grandios. Eine riesige Kinderschar der örtlichen Schule im Township von Laingville empfängt uns lautstark klatschend und lärmend. Ein Spruchband mit der Aufschrift: „Welcome Abahlobo!!! Willkommen unsere Deutsche Freunde!!!“ und die überwältigende Gastfreundschaft sind ein gelungener Gruß an das ganze Team. Unglaublich, wie freundlich die Kinder trotz der schwierigen sozialen Situation sind. Wir sind wieder einmal sehr beeindruckt.
Am Abend gönnen wir uns in einem örtlichen Lokal in der Nähe von St. Helena Bay eine ordentliche Mahlzeit, unser Körper velangt nach etwas deftigem. Steaks und Fisch lassen unsere Mägen wieder aufleben. Der "Teamspirit" ist super, für einem Moment vergessen wir die sozialen Verhältnisse und sind einfach glücklich.
2. Tag nach der Tour (11. April)
Heute ist Besuch- und Besichtigungstag in St. Helena Bay. Wir werden von Vertretern der Organisation "Masibambane" abgeholt und fahren in die Primary-School von St. Helena Bay, der wir die Schulpartnerschaft mit dem Gymnasium in Vechelde vermittelt haben. Die Schule liegt am Rande eines Townships, wir erwarten schlimmste Verhältnisse. Doch oh Wunder, die Schule ist äußerst gepflegt und macht einen guten Eindruck. Die Schüler tragen einheitliche Schuluniform, alles wirkt sehr diszipliniert. Wir werden in die Aula geführt und sind überrascht: sämtliche Schüler (ca. 800) haben sich hier eingefunden, um uns zu begrüßen. Zunächst gibt es einige Tanz- und Gesangsdarbietungen. Die Schüler gehen enthusiastisch mit klatschen im Rhytmus und stampfen den Beat. Wir sind sofort mittendrin. Danach wird unsere Aktion vorgestellt und wir werden einzeln begrüßt. Riesenapplaus der Schüler. Wir sind berührt, solch eine Begeisterung kennen wir in Deutschland nicht, oder nur selten. Nach dieser eindrucksvollen Zeremonie haben wir Gelegenheit, die Schule kennenzulernen. Wir streifen durch die Schule und gehen ohne Vorwarnung in die einzelnen Klassen zum Unterricht. Die Videokamera im Anschlag bekommen wir von den Lehrern das ok und wir halten eigenmächtig den Unterricht ab. Ein tolles Frage- Antwortspiel entwickelt sich in jeder Klasse und es wird viel gelacht. Die Schüler sind sehr wissbegierig und machen toll mit. Danach werden wir ins Lehrercollegium eingeladen, wir erfahren viel über diese Schule. Toll, diese Begegnung mit den Menschen macht uns allen viel Spaß. Nach ca. 2 Stunden ist Zeit zum Aufbruch, der nächste Termin wartet.
Wir besuchen jetzt eine weiße Frau, die sich um verstossene Kleinstkinder kümmert. Sei es, dass sie einfach ausgesetzt wurden, oder nachdem der Virus HIV/AIDS prognostiziert wurde von der Familie verstossen wurde. Insgesamt sind es 15 Kinder, die hier versorgt und aufgepäppelt werden. Die Frau finanziert ihre Einrichtung selbst und ohne öffentliche Zuschüsse. Zwei Kinder sind vor Ort und deren Schicksal treibt uns die Tränen in die Augen. Das erste Kind wurde in der Wüste ausgesetzt und nach mehreren Tagen mehr tot als lebendig gefunden. Voller Infektionen und offener Wunden hätte das Kind keinen weiteren Tag überlebt. Das zweite Kind ist AIDS-infiziert und wirkt schwach. Wir hören die Berichte dieser Frau und sind tief bewegt und beeindruckt. Wir übergeben ihr eine spontan gesammelte Spende sowie unsere sämtlichen, noch vorhandenen Lebensmittel. Sie freut sich außerordentlich über unsereren Besuch. Wir verlassen abermals sehr schweigsam eine Einrichtung und sind ein wenig besorgt über das was uns als nächstes erwarten mag.
Außerhalb von St. Helena Bay liegt am Rande der Wüste eine private Pflegestation. Hier werden ältere, hilflose Menschen gepflegt, die ohne Angehörige sind, oder deren Angehörige sich nicht um sie kümmern können/wollen. Ärmlichste Verhältnisse die jedoch durch einfühlsame Menschlichkeit ausgeglichen wird. Ca. 25 ältere Menschen werden hier gepflegt, schwarze wie weiße. Auch diese Einrichtung muss ohne Zuschüsse auskommen, ist lediglich auf Spendengelder angewiesen. Unvorstellbar primitiv, aber liebevoll die Pflege. Frank Reintjes, unser Arzt im Team lässt sich detailliert die Arbeit in diesem Pflegeheim von der weißen Chefärztin schildern, er ist sehr beeindruckt.
Wir fahren nach diesem Besuch zu einem neuen Masibambane-Projekt, einer stillgelegten Farm. Diese Einrichtung wurde von Masibambane erworben, um Jugendlichen in Projektarbeit neue Aufgaben zu geben. Es soll hier später einmal Viehzucht betrieben werden, Gemüse und der hierher stammende Rooibos-Tee angebaut werden und so die Farm zu finanzieren und den Jugendlichen Einblicke in die Landwirtschaft und Arbeitsmöglichkeiten zu geben. Ein schönes, wenn auch karges Stückchen Erde. Ein schönes Farmhaus soll den Jugendlichen Unterkunft geben. Später erläutern wir hier die Möglichkeit einer Kooperation mit den Friends For Life, um hier ein Outpost für Sportler einzurichten. Von hier könnten Exkursionen per Mountainbike gestartet werden, der Atlantik liegt fast vor der Tür, die Zedernberge bieten Kletterern und Abenteurern beste, fast unberührte Natur. Masibanbane ist begeistert und willigt sofort ein. Jetzt ist es klar - wir kommen wieder her, hier haben wir eine neue Heimat und Freunde. Die Freude im Team ist groß!
Letzter Programmpunkt in St. Helena Bay ist der Besuch einer Grundschule. Der Direktor hat von unserer Anwesenheit gehört und möchte uns kennenlernen. Die Gelegenheit soll nicht ungenutzt bleiben, es werden Adressen ausgetauscht. Eine Schulpartnerschaft in Deutschland ist auch hier der erklärte Wunsch. Gern setzten wir uns in Deutschland dafür ein.
Danach heisst es Abschiednehmen von St. Helena Bay und von den Masibambane-Mitarbeitern. Wir bekommen zum Abschied noch Shirts und Hüte. Auch Florence Filton vom Departement of Sports & Culture Affairs Western-Cape kommt einen weiten Weg, um uns zu verabschieden. Tränen der Rührung auf beiden Seiten, dann geht es nach Capetown, unserer letzten Station der großen Reise. Schon jetzt steht fest, diesen Tag mit seinen vielen emotionalen Eindrücken werden wir ebenfalls nie vergessen.
Die Vorbereitungsphase in Deutschland
28. März (noch 3 Tage)
Heute Mittag im Hotel Mercure Braunschweig gab es eine Pressekonferenz. Frage- und Antwortspiel zu Abahlobo mit Teamfoto. Abends findet die letzte Teamsitzung vor dem Abflug statt. Letzte Details werden geklärt, die Aufregung im Team steigt sichtlich. Was muss noch mit, was kann hierbleiben? Klasse: Christl Gaissbauer ist neu im Team für Südafrika und springt für Silke ein, die wegen Jobschwierigkeiten absagen musste. Christls spontane Zusage entspannt die Logistik in Südafrika ganz wesentlich, haben wir doch nun wieder eine feste Person für Verpflegung und Teambelange mit an Bord!
Die letzten Trainingseinheiten sind "gelaufen", jetzt ist Regeneration angesagt. Super: Das Wetter hat es sich überlegt und es wird endlich Frühling. Schade, dass wir davon nichts mehr mitbekommen... Michael Strohmann klagt über Magenprobleme und musste die letzten Trainingseinheiten kürzer als erwartet absolvieren. Hoffentlich nichts Ernstes. Auch Torsten klagt nach wie vor über Probleme im Oberschenkel. Noch sind ja ein paar Tage Zeit... Freitag-Mittag gehts los: Abfahrt vom Braunschweiger Bahnhof nach Frankfurt, von dort Direktflug nach Kapstadt.
16. März (noch 13 Tage)
Der letzte Härtetest steht an. Torsten Bierisch und Michael Kumpe nutzen die stabile Wetterlage im Harz und laufen von Bad Harzburg die Route über die Teufelsklippen und die Panzerstrecke auf den Brocken. Der "Auflauf" wird schwerer als erwartet, Nebel und Wind machen den Aufstieg zur Tortour, sie sehen kaum die Hand vor Augen. Nach 3 Stunden erreichen sie ihr Ziel, den Gipfel. 350 cm Schnee liegt hier. Wind und die Kälte lassen keine lange Pause zu. Nach 2 Stunden erreichen sie über den Torfhaus Bad Harzburg. Beide sind ziemlich platt. Eine echte Generalprobe, nur die Temperaturen sind etwas anders als in Afrika.
11. März (noch 18 Tage)
Ein Brief von Arved Fuchs, Extrem-Segler und gemeinsam mit Reinhold Messner Antarktis-Bezwinger, hat dem Team seine besten Wünsche für "Abahlobo" übermittelt und ist jetzt Ehrenmitglied bei den "FFL'ern". Klasse. Ein Motivationsschub, den wir gut brauchen können.
Torsten läuft wieder und ist an diesem Wochenende gemeinsam mit Micha Strohmann, Maik Dieroff und Robert Wimmer bei einem Laufevent in Nürnberg dabei. Hochgeschwindigkeit ist angesagt, FFL gegen Nürnberg auf zwei Laufbändern. Die Jungs sind stark und gewinnen den Vergleich mit einem Schnitt von fast 17 km/h! Sie überschreiten auch noch die 100 km-Marke und können so 720,- Euro für "Abahlobo" einsammeln. Das Wichtigste: Torstens Wade hat gehalten.
Das Wetter ist unverändert. Minusgrade, Schnee und Eis. Wir machen uns Sorgen wegen der Temperaturumstellung. Nur zwei Tage in Südafrika, dann fällt der Startschuss. Nicht viel Zeit für Akklimatisation...
Das südafrikanische Laufteam ist auch komplett, 5 Läufer und eine Läuferin bilden das Team. Wie die wohl drauf sind? Afrikanische Läufer sind ja als zäh und ausdauernd bekannt. Ein Trost: es geht nicht um Geschwindigkeit, ankommen ist wichtig. Hoffentlich klappt die Verständigung, die Südafrikaner sprechen Afrikaans, Xhosa und eine Art afrikanisches Englisch. Wir sind gespannt. Aber auch die Afrikaner freuen sich auf den Lauf, so wird uns übermittelt.
6. März (noch 23 Tage)
Heute die Hiobsbotschaft: Silke, unsere Teambetreuerin wird aus beruflichen Gründen nicht mitreisen können. Der Job wackelt. Schöner Mist, sie war unsere feste Größe für Verpflegung, Organisation und sollte das Auto mit fahren. Dann haben wir als Betreuer nur noch unseren Physiotherapeuten Markus und unsere Filmerin und Fotografin Tina. Auf die Beiden kommt einiges an Mehrarbeit zu. Es ist nicht zu ändern, der Job geht natürlich vor. Aber einen kurzfristigen Ersatz für Silke werden wir kaum bekommen.
Es gibt noch jede Menge zu erledigen, z. B. notwendige Impfungen, der Fitness-Check im Reha-Zentrum, die Ausrüstung muss langsam vollständig sein (Zelte, Matratzen, Schlafsäcke, Kameras ...), hoffentlich wird der Reisepass rechtzeitig fertig. Sechs Wochen dauert sowas heute. Tja, die haben Zeit...
Heute war Teamsitzung. Hier wurden alle wichtigen Punkte angesprochen, jeder weiss jetzt, worum er sich noch zu kümmern hat. So gut hat es noch nie funktioniert, wir sind mittlerweile ein eingeschworener Haufen. Ein tolles Gefühl, gute Voraussetzungen für Südafrika. Schade, dass Silke nicht dabei sein kann. Richtige Stimmung will deshalb heute nicht aufkommen.
Die Teambekleidung ist eingetroffen mit unseren Sponsorlogos, wir sind zufrieden, endlich mal eine einheitliche Bekleidung, wurde auch Zeit. Dank an Markus Nöh und sein KUNOmed sowie BS|ENERGY, unserem Hauptsponsor. Auch ein Riesenpaket mit squeezy - the true energy gel (Kohlehydrate für die Läufer) ist da. Wahnsinn, also wenn wir jetzt nicht ankommen, dann muss es wohl an uns liegen. Dank an Thorsten von ACS!!! Überhaupt bekommen wir im Moment jede Menge Unterstützung und das bereits ohne große Presse und Tamtam.
Torsten hat eine Trainingspause verordnet bekommen, die Wade bereitet Probleme.
Braunschweig, Anfang März (noch ein knapper Monat bis Südafrika)
Unzählige Laufkilometer haben wir (Michael Strohmann, Frank Reintjes, Torsten Bierwisch und Mike Kumpe) bereits abgespult. Ein Wochenschnitt von 120 - 150 Kilometern ist zur Zeit angesagt. Wird das reichen? Jeder von uns ist unsicher, hat mit seinen eigenen Problemchen zu kämpfen. Auch von gravierenden Vorfällen sind wir nicht verschont geblieben. Mike ist bei einem der vielen "Eisläufe" ausgerutscht und auf das Jochbein gekracht. Die Folge ist eine mittelschwere Gehirnerschütterung, Krankenhaus und zwei Tage Intensivstation. Aber keine bleibenden Schäden. Aber 14 Tage Trainingspause. Na klasse...
Mal ist es ein Ziehen in der Achillessehne, mal das Knie das einfach schmerzt, mal ein Krampf unter der Fußsohle ... Gott sei Dank bislang nichts Ernstes. Es gibt ja auch noch alternative Trainingsmethoden, z. B. Spinning oder den Cross-Trainer. Auch ein umfangreiches Streching-Programm zur Stärkung der Rumpfstabilisation ist sinnvoll. Oder nur einfach mal in die Sauna zum "chillen" - oh wie ist das schön... solche Momente sind zur Zeit leider selten. Auch die Familien verlangen ihr Recht. Papa soll nicht nur laufen. Jeder von uns hat einen Job, der dummerweise mit einer Anwesenheitspflicht verbunden ist. Ok, wir sind keine Profis, da wird dann halt mal nachts gelaufen oder vor der Arbeit. Wir tun, was wir können, aber wird das reichen? Immer wieder verfolgt uns diese Frage.
Eine Teamsitzung bei unserem Physiotherapeuten Markus Nöh, der uns ebenfalls begleitet, klärt Details zur Ausrüstung sowie der medizinischen Betreuung. Hier stellt sich auch der Sportmediziner Jürgen Kestling vor, der u.a. die Deutsche Schwimmnationalmannschaft betreut und ab sofort auch die "Friends For Life". Es geht um Ernährung, medizinische Ausrüstung und notwendige Präparate, die wir in S.A. dabei haben sollten. Tina Voges, unsere Fotografin und Filmerin berichtet vom Stand der Ausrüstung. Sie wird für tolle Bilder sorgen und unseren Reisebericht und Fotos für dieses Tagebuch regelmäßig nach Deutschland mailen. Silke Herdlitschke ist Betreuerin und kümmert sich um die Versorgung des Teams und ist Fahrerin des Fahrzeugs, das uns freundlicherweise von der Spedition Schnellecke (WOB und Südafrika) zur Verfügung gestellt wird. Zwei tolle Mädchen, die für gute Laune sorgen werden, selbst wenn sie uns bereits vergangen ist...
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